Hintergründe zu ADHS und Neurofeedback

Eine Therapie ist nur so gut wie die Ursachenanalyse

Svend Holger Schulze, Gründer und Leiter des Lernwerk Therapiezentrums für Ergotherapie und Logopädie, erklärt das individuelle Lernwerk-Konzept und dessen nachhaltigen Erfolg

 

Hamburger Abendblatt: Herr Schulze, Sie leiten das Lernwerk Therapiezentrum für Ergotherapie und Logopädie sowie eine Nachhilfeschule. Was genau unterscheidet Lernwerk von anderen Anbietern?

 

Holger Schulze: Zum einen findet Nachhilfe immer nur in Form des Einzelunterrichtes durch lehrerfahrene Akademiker* und Lehrer* (m.w.d)  statt. Im Lernwerk sind Lehrende in der Lage lerntypengerecht zu unterrichten und die Schüler dort abzuholen wo sie stehen. Wir arbeiten mit klaren Zielvorgaben, geben Lehrstoff zur Vertiefung mit und verzichten auf Unterrichtsverträge. Bei uns kann man freie Stundenkontingente erwerben und on demand Stunden ordern. So erhöhen wir die Unterrichtsfrequenz vor Arbeiten und Prüfungen und können auch Wunsch in den Ferien oder bei sonstigen Abwesenheiten pausieren.

 

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Clinical Neurophysiology

Neurofeedback of slow cortical potentials as a treatment for adults with Attention Deficit-/Hyperactivity Disorder  

 

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„Neurofeedback bei chronischen Schmerzen“

Interview mit Herrn Dr. Axel Kowalski

Dr. phil. Axel Kowalski, Dipl.-Psych. NeuroFit GmbH Therapie- und Trainings-Akademie Krefeld

 

Wie werden eigentlich Schmerzen wahrgenommen und wann werden Schmerzen chronisch?

Schmerzen stellen grundsätzlich ein Alarmsignal dar, mit dem der Körper anzeigt: Irgendetwas ist hier nicht in Ordnung - bitte reagieren und Gegenmaßnahmen einleiten! Der Schmerz signalisiert, dass die körperliche Unversehrtheit bzw. die eines bestimmten Teils des Körpers gefährdet ist. Schmerzen werden sehr unterschiedlich wahrgenommen, diffus über eine größere Fläche verteilt oder bspw. spitz, scharf und lokalisiert.

 

Im menschlichen Schmerzsystem - dem sogenannten nozizeptiven System - gibt es verschiedene Arten von Schmerz-Rezeptoren. Solche die auf mechanische und / oder thermische sowie auf chemische Reize reagieren. Die Verarbeitung und das Empfinden von Schmerzen können aber auch durch Gedanken, Gefühle, Aufmerksamkeit und Stress sowohl positiv als auch negativ beeinflusst werden. Das Schmerzempfinden hängt also von vielen Faktoren ab und ist daher sehr subjektiv.

 

Chronisch werden Schmerzen aber dann, wenn sie ihre akute Warnfunktion verlieren und quasi unabhängig von einer tatsächlichen "schmerzhaften" Reizung der Schmerzrezeptoren wahrgenommen werden. In diesem Zusammenhang wird auch oft der Begriff des „Schmerzgedächtnisses“ genannt. Man geht da-von aus, dass hierbei anstelle einer akuten Schmerzwahrnehmung ein vorher abgespeichertes "Schmerzbild" bzw. eine vorher bereits wahrgenommene Schmerzempfindung abgerufen und erneut verarbeitet wird.

 

Wie erklären Sie nun Ihren Patienten, wie Neurofeedback funktioniert und warum es gerade bei chronischen Schmerzen und Migräne helfen kann?

Ein wesentlicher Aspekt des Neurofeedbacks ist die Aufmerksamkeitslenkung. Also das Erlernen einer Strategie, um Aufmerksamkeit zu kontrollieren.

 

Bei chronischen Schmerzen bedeutet dies: Es gilt zu vermeiden, dass das Schmerzbild immer und immer wieder abgerufen und verarbeitet wird. Neurofeedback zielt also darauf ab, sozusagen eine „Gegenstrategie“ zu erlernen; die Aufmerksamkeit nicht auf den Schmerz zu lenken.

 

Durch das Visualisieren der eigenen Gehirnaktivität (mittels EEG-Ableitung), lernen Patienten dabei zu-nächst auf einer unbewussten Ebene, Bestandteile der elektrischen Hirnaktivität, die bspw. für Entspannung, fokussierte Aufmerksamkeit und Konzentration stehen, zu regulieren, um auf Basis dessen die Wahrnehmung von Schmerzen wieder zu normalisieren.

 

Der große Vorteil ist, dass es sich bei Neurofeedback um eine nicht-medikamentöse Therapiemethode handelt und der Patient eine aktive Rolle einnimmt.

 

Welchen Effekt hat Neurofeedback bei Schmerz-Patienten?

Mit der wichtigste Effekt ist: Die Patienten erhalten die Kontrolle über ihre Wahrnehmung zurück und fühlen sich weniger fremdbestimmt; sie sind nicht mehr nur Opfer negativer Umstände und Gedanken. Gerade bei Patienten mit chronischen Schmerzen wird jede Veränderung in Richtung Schmerzfreiheit dank-bar registriert. Idealerweise trägt hier auch Neurofeedback dazu bei, dass der chronische Schmerz "gelöscht" werde kann, in dem wieder eine neue Verarbeitungsweise des nozizeptiven Systems gelernt wird.

 

Und wie gelingt Schmerz- oder Migräne-Patienten der Transfer der Therapie in den Alltag? Neurofeedback unterstützt Patienten dahingehend, beim Aufkommen einer Schmerzwahrnehmung, bspw. die Aufmerksamkeit bewusst vom Schmerzergebnis abzuziehen. So können diese zum einen entspannter mit Schmerzattacken umgehen. Zum anderen kann so der ständige Abruf aus dem Schmerzgedächtnis unterbrochen und mit der Zeit idealerweise ganz vermieden werden.

 

neurofeedback netzwerk Netzwerkmanagement • Frauenstraße 12 • 80469 München Telefon: +49 (0) 89 1894489-21 • Telefax: +49 (0) 89 1894489-39 info@neurofeedback-netzwerk.orgwww.neurofeedback-netzwerk.org Förderkennzeichen: 16NW015902


ADHS: In Deutschland leben mehr als 250.000 Kinder mit der Diagnose

Trainieren gegen das Chaos im Kopf

Von Kathrin Neubauer

Die meisten Kinder mit ADHS bekommen Medikamente. Doch Konzentration und Impulskontrolle können trainiert werden – durch Neurofeedback. In Studien hat die Methode beachtliche Ergebnisse gezeigt.

 

„Ich brauche jetzt mal zwei Minuten Ruhe. Bitte nicht ansprechen.“ So kündigt Lasse* an, dass er über einer Matheaufgabe brütet. Lehrer und Eltern wissen dann, dass sich Lasse trotz seiner Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) konzentriert und seine Aufgaben löst. Gelernt hat der Zehnjährige dies durch Neurofeedback.

 

Über ein Jahr ging er dafür einmal pro Woche in die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Göttingen. Dort übte Lasse vor einem Computerbildschirm, seine Gedanken auf den Punkt zu bringen und seine Erregung zu kontrollieren. Dabei behilflich waren ihm Autos, Flugzeuge oder Torhüter auf dem Monitor, die er über Messelektroden am Kopf in eine bestimmte Richtung oder mit einer bestimmten Geschwindigkeit bewegen musste – ohne Tastatur oder Maus, nur mit seinen Hirnströmen.

 

Auf einem separaten Bildschirm verfolgte Psychologe Holger Gevensleben, Leiter der Arbeitsgruppe Neurofeedback, Lasses hirnelektrische Aktivität im EEG. „Durch Neurofeedback lernen Kinder mit ADHS, ihr Verhalten im Alltag besser zu steuern und sich bewusst konzentrieren zu können“, sagt Gevensleben.

 

Beim klassischen Biofeedback werden unbewusste Körperfunktionen wie Muskelspannung und Herzfrequenz gemessen und dem Übenden akustisch oder visuell rückgemeldet. Beim Neurofeedback passiert dies mit Hirnfrequenzen. Patienten lernen hierbei, jene Hirnaktivitäten wahrzunehmen und bewusst zu verändern, die Aufmerksamkeit und Verhaltenssteuerung betreffen.

Hirnwellen gezielt beeinflussen

Forscher haben festgestellt, dass ADHS-Patienten einen höheren Anteil an sogenannten Thetawellen haben als Gesunde. Diese Frequenzen kommen in Zuständen des Dösens und Entspannens sowie im Übergang zum Schlaf vor. Hingegen sind die für Aufmerksamkeit charakteristischen schnellen Beta-Wellen im Gehirn von ADHS-Kindern schwächer. Die Folge ist eine langsamere Hirnaktivität.

Beim Neurofeedback soll unter anderem das Verhältnis von langsamer zu schneller Aktivität (Theta/Beta-Ratio) verbessert werden. „Wir stellten fest, dass sich die Thetawellen durch das Training verringerten. Die Betafrequenzen blieben jedoch nahezu unverändert“, sagt Gevensleben.

 

Studien belegen den Nutzen des Neurofeedbacks. „Die ADHS-Symptomatik reduzierte sich nach dem Training um 25 Prozent und drei Monate nach Abschluss um 35 Prozent“, sagt Gevensleben. Eine andere Studie ergab, dass auch zwei Jahre nach dem Training Verhaltensänderung und erhöhte Aufmerksamkeit stabil geblieben waren oder sich verbessert hatten.

 

Bundesweit gibt es 90 Therapeuten, die von der Deutschen Gesellschaft für Biofeedback zur Behandlung mit Neurofeedback zertifiziert wurden. Das Lernwerk ist Mitglied in dieser exklusiven Gesellschaft und verfügt über die besten Therapiebedingungen. Kostenfreie Informationen erhalten Sie in allen Lernwerk-Therapiezentren und bei angeschlossenen Partner-Praxen.

Schlafstörungen: Warum manche Kinder in der ADHS-Ecke landen

Typisch für Kinder mit der hyperkinetischen Verhaltensstörung sind Impulsivität und ein Mangel an Konzentration und Ausdauer. Oft haben sie einen überschießenden Bewegungsdrang und Probleme, ihr explosives Verhalten zu zähmen.

 

Auch Lasse eckte ständig an. „Am liebsten kämpfte er mit Stöcken oder warf die Bauwerke anderer Kinder ein“, erzählt die Mutter. Freunde hatte er kaum. In der Schule hagelte es Einträge, weil er den Unterricht störte. „Lasse stand in der Stunde einfach auf und widersprach oft. Bei den Hausaufgaben schweifte er nach fünf Minuten ab.“ Nach einem Jahr wechselte er die Schule. Kurz darauf folgte die Diagnose ADHS.

 

Lasse bekam Medikamente, wie 72 Prozent der rund 259.000 Kinder in Deutschland mit ADHS. Das bekannteste ist Ritalin. Dessen Wirkstoff Methylphenidat ist ein Amphetaminabkömmling mit einer langen Liste von Nebenwirkungen. Pro Jahr werden in Deutschland 1,8 Tonnen Methylphenidat verordnet, hauptsächlich Kindern.

 

„Das größte Problem der medikamentösen Behandlung ist, dass sie rein symptomatisch ist. Wenn keine begleitende andere Therapie eingeleitet wird, ist nach Absetzen der Medikamente die Situation wie zuvor“, sagt Ute Strehl, Psychologin am Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie der Universität Tübingen.

 

Beim Neurofeedback soll das anders sein. „Objektive Messungen belegen, dass das Gehirn nach Neurofeedback mit Reizen von außen hilfreicher umgeht“, sagt Martin Holtmann, Ärztlicher Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der LWL Universitätsklinik Hamm. Er leitete zusammen mit Strehl die jüngste und größte deutsche Kontroll-Studie mit 144 Kindern. Eines der wichtigsten Ergebnisse der noch nicht komplett ausgewerteten Daten: Von Neurofeedback profitieren auch Kinder mit besonders schwerem ADHS.

Ist Neurofeedback eine Alternative zu Ritalin?

In den USA wird die Methode von der American Academy of Pediatrics seit 2012 als ebenso wirksam eingestuft wie Medikamente. „Es gibt auch Kinder, die von einer Kombination aus beidem profitieren oder erst nach Neurofeedback die Medikamente absetzen können“, sagt Strehl. Die Kassen erstatten die Kosten für die Behandlung bei einem psychologischen Psychotherapeuten im Rahmen einer Verhaltenstherapie. Auch eine Verordnung im Rahmen einer Ergotherapie ist möglich.

 

Bundesweit gibt es 90 Therapeuten, die von der Deutschen Gesellschaft für Biofeedback zur Behandlung mit Neurofeedback zertifiziert wurden. Das Lernwerk ist Mitglied in dieser exklusiven Gesellschaft und verfügt über die besten Therapiebedingungen.

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  • Lernwerk-Zentrale unter Telefon 040/79 68 56 66
  • „Eine Generation wird krank geschrieben“ von Charlotte Köttgen | PDF
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